Die menschlichen Emotionen

Emotionen sind komplexe, in weiten Teilen genetisch präformierte Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und dem Individuum ein schnelles und der Situation adäquates Handeln zu ermöglichen. Am Zustandekommen und Ablauf emotionaler Vorgänge sind daher sowohl kognitive (kortikale und subkortikale) Mechanismen der Verarbeitung externer oder interner Reize, neurophysiologische Muster, motorischer Ausdruck und Motivationstendenzen beteiligt. Die kognitive Komponente wird dabei meist als Auslöser von Emotionen angesehen, die motivationale Komponente eher als Folge der emotionalen Erregung denn als Teil der Emotion selbst betrachtet, aber es bestehen wie bei den meisten innerpsychischen Abläufen sehr enge Wechselwirkungen.

Diese stammesgeschichtliche Betrachtung der Entwicklung von Emotionen stellt also die Frage nach ihrem Zweck bzw. ihrer biologischen Funktion. Schon Darwin ging es darum, seine Evolutionstheorie durch die Beobachtungen von Parallelen im emotionalen Ausdruck bei Menschen und Tieren zu stützen. Er folgerte auf Grund der Beobachtung von Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt, dass der emotionsspezifische Ausdruck universell verbreitet ist (vgl. Franken 2004). Emotionen bewirken organische Veränderungen, wie erhöhten Hautwiderstand, Muskelverspannung, Verkrampfung, Erweiterung oder Verengung der Pupille, Zittern, Schweißausbruch, Magen- und Darmtätigkeit, schnelle Atmung und erhöhte Herzfrequenz.

Die Psychologie als Wissenschaft hat sich lange vor allem mit den negativen Emotionen und deren Wirkungen beschäftigt. Emotionen sind nach der Qualität ihrer Zuständlichkeit charakterisierte subjektive Erlebnissse, die meist als Gegenpol zur Kognition durch verschiedene Dimensionen beschrieben werden können: Richtung (angenehm oder unangenehm), Qualität (Erlebnisinhalt bzw. Aufmerksamkeit oder Ablehnung), Ausmaß der Aktivierung und das Bewusstsein. Die Stärke beschreibt, wie sehr die Person erregt ist und wie intensiv das Gefühl aktivierend auf Denken und Handeln einwirkt. Carol E. Izard (1981) nennt drei Verhaltensebenen, um Emotionen zu beschreiben und zu definieren: das subjektive Erlebnis, die neurophysiologischen Vorgänge und das beobachtbare Ausdrucksverhalten. Sie nimmt an, dass Emotionen eine körperliche, eine psychische und eine verhaltenssteuernde Komponente besitzen.

Gefühle wie Angst oder Wohlbefinden kennt das Baby schon vor der Geburt, denn es hat bereits vor der Geburt gelernt zu strampeln, sich zu drehen und zu wenden und an seinem Daumen zu lutschen. Es kennt aber nicht nur seinen Körper, sondern hat schon eine ganze Reihe Erfahrungen über die Welt drauße gemacht und in seinem Gehirn verankert: Es kennt die Stimme der Mutter und des Vaters, ihre Lieblingslieder und Lieblingsmusik und weiß, wie die Mutter riecht, da die Duftstoffe und Aromen auch im Fruchtwasser enthalten waren. Ein Ungeborenes kann auch Erfahrungen im Mutterleib machen, die es später anfällig für Angst machen: Wenn die Mutter Angst vor dem Vater hat, spürt der Fötus das, denn ihre Bauchdecke zieht sich während eines Streits zusammen, Stresshormone werden ausgeschüttet, das Herz rast. Dabei wird das Kind zusammengedrückt, hört es die schnellen Herztöne und die laute Stimme des Vaters. Der Fötus erstarrt und diese Erfahrung wird im Gehirn gespeichert. Nach der Geburt verfällt das Kind in eine ähnliche Erstarrung, wenn die Stimme des Vaters eine ähnliche Färbung annimmt.

Vor etwa 50 Jahren entdeckte man bei Experimenten mit Ratten zufällig, dass diese von der elektrischen Stimulation eines bestimmten Gehirnareals gar nicht genug bekommen konnten. Die Ratten durften in diesen Experimenten diesen elektrischen Reiz für diese Gehirnregion durch Drücken auf einen Hebel selbst auslösen und drückten in der Folge den Hebel immer häufiger. Manche Tiere vergaßen dabei sogar zu essen und zu trinken, und starben, offensichtlich süchtig danach, durch das Hebeldrücken belohnt zu werden. Die daraus entstandene Neurobiologie des Glücks hat in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends große Fortschritte gemacht, sodass man die neuronalen Strukturen ziemlich genau kennt, die an diesen Glückserlebnissen beteiligt sind: tief im Mittelhirn liegt eine kleine Ansammlung von Neuronen – im Fachjargon als A10 bezeichnet -, die den Botenstoff Dopamin produzieren und in den Nucleus accumbens und ins Frontalhirn weiterleiten. Diese Neuronen feuern immer dann, wenn ein Ereignis besser ausfällt als erwartet. Im Nucleus accumbens führt das Dopamin dazu, dass Endorphine produziert und ins Frontalhirn ausgeschüttet werden. Dieses Dopamin bewirkt, dass das Frontalhirn besser funktioniert, sodass man unter diesem Einfluss z.B. auch besser denken und lernen kann. Das Glücksempfinden ist vermutlich nur ein Nebenprodukt des menschlichen Lernvermögens und ist auch nicht auf „Dauerbetrieb“ angelegt, denn Gewöhnung sorgt schon bald dafür, dass man sich nicht allzu lange glücklich fühlt oder wie Süchtige die Dosis erhöhen muss. Menschen, die sich als überwiegend glücklich bezeichnen, produzieren unter Stress relativ kleine Mengen des Hormons Cortisol, das u.a. Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßkrankheiten und Depressionen begünstigt. Glückszustände sind daher für ein langes Leben ebenso bedeutsam wie eine gesunde Lebensweise, denn glückliche Menschen sind erfolgreicher beim Lernen und bei ihrer Arbeit, oft auch kreativer, beliebter, geselliger, geistig gesünder, weniger egoistisch und weniger aggressiv.

Negative Emotionen wie Angst oder Wut sind nicht von vornherein schlecht, denn durch sie haben Menschen schließlich gelernt zu überleben, Gefahren zu erkennen und ihnen auszuweichen. Auch Stress erfüllt eine nützliche Funktion, denn ein aktives Leben braucht einen gewissen Stresslevel. Vermutlich sind aktive Menschen unter Stress glücklicher als diejenigen, die Anstrengungen oder Konflikten aus dem Weg gehen. Martin E. P. Seligman forderte Ende der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts die PsychologInnen auf, sich endlich mehr um das menschliche Wohlergehen zu kümmern. Seither wurde eine Unzahl von Studien durchgeführt, die zeigen sollen, was glücklich macht und welche Vorteile das bringt. Positive Psychologie heißt dieser neue Forschungsbereich. Offenbar besitzen Menschen eine bestimmte Bandbreite von Glücksempfindungen, die genetisch festgelegt ist. Das bedeutet, dass jemand mit einem Wert von 5,5 auf einer Glücksskala von eins bis zehn sich sowohl dem Wert fünf als auch dem Wert sechs nähern kann, aber kaum die Sieben erreichen wird. Außerdem fallen die meistens Menschen nach positiven oder negativen Ereigissen nach zirka einem Jahr auf den früheren Glückslevel zurück. Manche Menschen befinden sich auch in einer „Hedonistischen Tretmühle“, denn das neue Gewand oder das flotte Auto macht nur kurze Zeit glücklich, doch dann braucht der Mensch wieder neue und meist auch teuere Dinge, um positive Emotionen wie Glück oder Freude zu empfinden. Übrigens: Wer karitativ tätig ist oder anderen Geschenke macht, ist im Durchschnitt zufriedener als Menschen, die ihr Geld horten.

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28 Jahre jung selbstständiger Unternehmer . Gründer und Geschäftsführer der W.F International Marketing und GN24
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